Das Geographische Informationssystem – eine Erfindung unserer Zeit?


"Da wir bald eine neue Charte von hiesigem Hochstifte erhalten werden:
so wäre zu wünschen, daß auch eine dergleichen, worauf nach gehöriger
Vergrößerung überall die Beschaffenheit des Bodens angezeigt wäre,
verfertiget würde; es könnte solches bloß durch Farben geschehen und
zugleich in den Farben wiederum der Unterschied angebracht werden,
daß z.E. der beste Weidegrund durch Dunkelgrün, der mittlere durch
etwas hellers und der schlechteste durch noch hellers angezeigt würde.
In der Einfassung, wodurch jede Art dieses Grünen von den andern
abzusondern, würde durch eine Schattierung von Rot, Gelb, Blau oder
Schwarz angezeigt, ob Mergel- Sand- oder Moorgrund darunter
anzutreffen wäre; und die Vermischung, Verhöhung oder Vertiefung
dieser Schattierung würde auch zu gebrauchen sein, die Art des
Mergels, Sandes- oder Moorgrundes anzuzeigen. Auf gleiche Art
verführe man mit den Heiden, die etwan mit einer hell- oder dunkel-
braunen Farbe angezeigt und durch die Schattierung nach ihrer Erdart
unterschieden würden... Man könnte auch auf jedem Fleck durch
Nummern die Tiefe einer jeden Lage oder deren Abstand von einer
gewissen angenommenen Linie, wie auf den Seekarten, bemerken...
Außer dieser Charte müßten wir noch eine andere haben, worauf die
ganze Fläche, so wie sie sich 6, 7 oder 8 Schuh tief unter der Erden
befände, verzeichnet würde. so daß, wann man die erstere Charte auf
die andere legte, man sogleich sehen könnte, wie es in vorgedachter
Tiefe beschaffen wäre. Man würde solches durch Erdbohrer bald
untersuchen und geometrisch auftragen können. Aus der Vergleichung
dieser beiden Charten würden sich vermutlich viele gute Schlüsse ziehen
lassen, besonders wenn die Veränderungen auf der Oberfläche mit
sichern Veränderungen auf der Unterfläche übereinkämen. Diese
Schlüsse würden uns in der Urbarmachung leiten und manches. was wir
in der Ferne suchen, in der Nähe finden lassen. Man könnte auch solche
Charten verschicken und das Urteil der Forst- und Bergwerksver-
Ständigen darüber einholen besonders wann noch eine kurze Be-
schreibung der wilden Gewächse dabei gefüget würde."

so schreibt Justus Möser in der "Nützlichen Beilage zum Osnabrücker Intelligenzblatt vom 26.Mai 1770